Illustration einer KI-gestützten Rechnungsprüfung mit markierter Auffälligkeit und menschlicher Freigabe

Eine Materialrechnung enthält mehrere Positionen mit kurzen Artikelbezeichnungen. Der Bezug zum Auftrag steht in einer beigefügten E-Mail. Bevor jemand die Rechnung prüfen kann, müssen die Informationen zusammengetragen werden. Genau bei solchen Vorarbeiten kann KI unterstützen.

Ob die Lieferung vollständig ist, eine Zusatzleistung vereinbart wurde oder ein strittiger Betrag akzeptiert werden soll, bleibt dagegen eine fachliche Entscheidung. Für einen kontrollierten Rechnungsprozess kommt es darauf an, diese Aufgaben sauber zu trennen.

Vier Aufgaben mit unterschiedlichen Zuständigkeiten

„Automatische Rechnungsprüfung“ kann sehr unterschiedliche Funktionen bezeichnen. Für die Planung Ihres Ablaufs hilft diese Unterscheidung:

AufgabeGeeignete UnterstützungGrenze
Technisches Rechnungsformat prüfenEin passender ValidatorBestätigt nicht die tatsächliche Lieferung
Eindeutige Bedingungen kontrollierenFestgelegte Regeln und BerechnungenFunktioniert nur mit passenden Daten und Regeln
Unübersichtliche Inhalte aufbereitenKI als AssistenzErgebnisse können falsch oder unvollständig sein
Sachverhalte beurteilen und freigebenFachlich zuständige, befugte MenschenBenötigen nachvollziehbare Unterlagen

Ein Validator kann eine strukturierte Rechnungsdatei gegen technische Vorgaben und hinterlegte Geschäftsregeln prüfen. KoSIT stellt dafür Komponenten zum Standard XRechnung bereit. Eine solche technische Prüfung hat einen anderen Zweck als die Bestätigung, dass Material auf Ihrer Baustelle angekommen ist. KoSIT zur Validierung von XRechnung

Auch für viele betriebliche Kontrollen ist keine KI erforderlich. Ob eine Auftragsnummer in einer Liste existiert oder ein Betrag eine intern festgelegte Grenze überschreitet, lässt sich anhand eindeutiger Regeln prüfen. Der passende Kontrollschritt sollte zur Frage passen, die er beantworten soll.

Wo KI im Alltag unterstützen kann

KI kann beispielsweise längere Begleittexte zusammenfassen, Hinweise aus mehreren bereitgestellten Unterlagen bündeln oder einen Entwurf für eine Rückfrage formulieren. Ob das zuverlässig genug funktioniert, hängt vom gewählten System, den verfügbaren Daten und der konkreten Aufgabe ab.

Besonders hilfreich ist eine Aufbereitung, die ihre Grundlage sichtbar lässt. Statt nur „Auftrag 4711“ vorzuschlagen, sollte die zuständige Person erkennen können, aus welchem Dokument der Bezug stammt und ob es widersprüchliche Angaben gibt.

Ein Vorschlag ohne nachvollziehbare Grundlage schafft zusätzliche Prüfaufgaben. Das gilt auch dann, wenn er sehr sicher formuliert ist. Generative KI kann plausibel klingende, aber falsche Inhalte erzeugen. Das US-amerikanische Standardisierungsinstitut NIST beschreibt dieses Risiko als „Confabulation“, häufig auch Halluzination genannt. NIST AI 600-1, Abschnitt 2.2

Für den Betrieb folgt daraus eine praktische Regel: Eine KI-Aussage ist zunächst ein zu prüfender Vorschlag. Ihr überzeugender Ton ersetzt keinen Beleg.

Ein Beispiel mit zwei möglichen Aufträgen

Ein fiktiver Gebäudetechnikbetrieb arbeitet gleichzeitig an zwei Projekten desselben Kunden. Eine Lieferantenrechnung nennt den Kundennamen, aber keine eindeutige Auftragsnummer. In einer Begleitnachricht steht eine verkürzte Baustellenbezeichnung, die zu beiden Projekten passen könnte.

Eine KI könnte die verfügbaren Hinweise zusammenstellen und beide möglichen Zuordnungen nennen. Sie könnte auch eine Rückfrage vorbereiten: „Bitte bestätigen Sie, für welches der beiden Projekte die Lieferung bestimmt war.“

Eine gute Prozessgestaltung würde hier verhindern, dass aus einer Vermutung unbemerkt eine verbindliche Zuordnung wird. Der Vorgang bleibt offen, bis eine zuständige Person den Bezug geklärt hat. Die ursprünglichen Informationen und der Vorschlag sollten dabei unterscheidbar bleiben.

Der Nutzen liegt in der Vorbereitung: Die prüfende Person muss die verstreuten Hinweise nicht vollständig neu zusammensuchen. Die offene Frage selbst verschwindet dadurch noch nicht.

Was eine wirksame menschliche Prüfung braucht

Ein Freigabeknopf allein macht einen Ablauf noch nicht kontrolliert. Wer entscheiden soll, braucht ausreichend Informationen, Zeit und Befugnisse.

Für die Gestaltung empfehlen wir, mindestens diese Fragen zu beantworten:

  • Ist das Originaldokument direkt zugänglich?
  • Sind übernommene Daten und KI-Vorschläge erkennbar getrennt?
  • Sind offene Punkte und widersprüchliche Angaben sichtbar?
  • Kann die zuständige Person korrigieren, zurückgeben oder weitere Informationen anfordern?
  • Bleibt nachvollziehbar, wer den Vorgang auf welcher Grundlage bearbeitet hat?

Eine pauschale Aufforderung „Bitte alles prüfen“ ist wenig hilfreich. Besser ist ein konkreter Hinweis auf den offenen Sachverhalt, etwa eine fehlende Projektzuordnung. Wie Sie Zuständigkeiten und Vertretungen dafür organisieren, erläutert der Beitrag zur digitalen Rechnungsfreigabe im Handwerk.

Daten und Zugriffe bewusst begrenzen

Rechnungen und Begleitunterlagen können personenbezogene oder vertrauliche Geschäftsinformationen enthalten. Vor dem Einsatz sollte geklärt sein, welche Daten ein KI-Dienst tatsächlich benötigt, wer darauf zugreifen kann und wie Speicherung und weitere Verwendung geregelt sind. Datenschutzrisiken gehören auch im NIST-Risikoprofil zu den ausdrücklich benannten Themen. NIST AI 600-1, Abschnitt 2.4

Für Ihren Rechnungsprozess empfiehlt sich ein klar begrenzter Einsatz. Eine Funktion, die einen Begleittext zusammenfasst, benötigt dafür beispielsweise keine Berechtigung, Zahlungen auszulösen. Die datenschutzrechtlichen Anforderungen an den konkreten Dienst sollten vor der Verarbeitung echter Daten fachlich geprüft werden.

Ebenso wichtig ist der Umgang mit Dokumentinhalten: Eine Anweisung in einer fremden Rechnung oder E-Mail darf keine betriebliche Freigaberegel außer Kraft setzen. Für die Umsetzung sollte gelten, dass Dokumente Informationen liefern, während Zuständigkeiten und erlaubte Aktionen außerhalb dieser Dokumente festgelegt werden.

Qualität vor dem Einsatz beurteilen

Testen Sie eine geplante Unterstützung mit repräsentativen, zur Nutzung freigegebenen oder angemessen anonymisierten Beispielen. Dazu gehören neben einfachen Fällen auch unvollständige Unterlagen und mehrdeutige Zuordnungen.

Messen Sie nicht nur, wie schnell ein Vorschlag entsteht. Prüfen Sie, wie oft er korrigiert werden muss, ob offene Fragen sichtbar bleiben und wie viel Zeit Menschen insgesamt für die Bearbeitung benötigen. Eine schnelle Zusammenfassung bringt wenig, wenn ihre Kontrolle länger dauert als die bisherige Arbeit.

Für einen tragfähigen Einsatz sollte der vereinbarte Rechnungsprozess im Mittelpunkt stehen. Legen Sie für den konkreten Ablauf fest, welche Aufgaben feste Regeln übernehmen, wo KI einen Vorschlag liefern darf und wann ein Mensch entscheiden muss. Fachliche Freigaben und Zahlungsentscheidungen bleiben bei den dafür befugten Personen im Unternehmen.

Häufige Fragen

Braucht jede Rechnungsautomatisierung KI?

Nein. Strukturierte Daten, feste Regeln und geeignete Schnittstellen können bereits viele Routineaufgaben unterstützen. KI sollte eine konkrete zusätzliche Aufgabe erfüllen, deren Nutzen sich prüfen lässt.

Kann KI beurteilen, ob eine Leistung tatsächlich erbracht wurde?

Sie kann bereitgestellte Informationen dazu aufbereiten. Ob diese vollständig und sachlich zutreffend sind, muss eine zuständige Person anhand des realen Vorgangs beurteilen. Fehlende Nachweise werden durch einen KI-Vorschlag nicht ersetzt.

Woran erkenne ich eine sinnvolle KI-Unterstützung?

An einer klar begrenzten Aufgabe, nachvollziehbaren Ergebnissen und einem funktionierenden Weg für Rückfragen und Korrekturen. Entscheidend ist die gesamte Bearbeitung einschließlich der menschlichen Kontrolle.

Mit einer konkreten Aufgabe beginnen

Wählen Sie einen wiederkehrenden Vorbereitungsschritt, der heute Zeit kostet. Beschreiben Sie, welche Informationen dafür benötigt werden und welches Ergebnis eine zuständige Person weiterverwenden könnte. So lässt sich gezielt prüfen, ob Regeln, bessere Daten oder KI-Unterstützung passen.

Dokumentieren Sie vor einem Test, welche Aufgabe unterstützt werden soll, welche Daten dafür zulässig sind und woran Sie ein brauchbares Ergebnis erkennen. So wird aus einer allgemeinen KI-Idee ein prüfbarer Anwendungsfall mit klaren Grenzen und menschlicher Verantwortung.

Fachlich geprüft am 15. September 2026. Die NIST-Veröffentlichung dient als technische Risikoreferenz, nicht als deutsche Rechtsgrundlage.

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Quellen und weiterführende Informationen

Die verlinkten fachlichen Angaben wurden zuletzt am 15. September 2026 geprüft.